Donnerstag, September 30, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ Bagdad: Sprengfalle in Abu Ghureib - Dutzende Opfer

Bei zwei Anschlägen in der Nähe des berüchtigten Gefängnis Abu Ghureib bei Bagdad sind heute mindestens 37 Menschen getötet worden. Erst nahm ein Selbstmordattentäter eine Polizeiwache ins Visier. Als US-Soldaten den Opfern helfen wollten, explodierte ein zweiter Sprengsatz.

Wie, helfen? Ich dachte nach all der SPIEGEL-Lektüre eigentlich, daß die da sind, um das Land zu besetzen und seine Bewohner zu unterjochen. Seid Ihr sicher, daß die US-Söldner nicht doch nur ein paar wehrlose Opfer gesucht haben, die sie für die Mittagspause zum Foltern nach Abu Ghureib verschleppen könnten? Naja, die meisten der Betroffenen konnten ja noch rechtzeitig dank der heldenhaften Befreiungsaktion ihres Widerstands per Fernzündung ins Paradies evakuiert werden.

+++ SPIEGEL-Watch +++ Opposition: Panzer auch für Israel

Deutschland und die anderen EU-Mitgliedstaaten sollten jede Hilfszusage daran messen, ob sie "der politischen Zielsetzung entspricht, möglichst bald freie Wahlen im Irak abzuhalten, um eine legitimierte Regierung zu schaffen", sagte die Europa-Abgeordnete. Mit Waffenlieferungen sei das nicht zu schaffen.

Die Grünen-Politikerin äußerte zudem Zweifel daran, dass die Panzer von den irakischen Sicherheitskräften nur zum Selbstschutz verwendet würden. "Wie soll man kontrollieren, dass das Gerät nicht nachträglich bewaffnet und doch zur Bekämpfung von Aufständischen eingesetzt wird?"


Tja, Frau Beer, man fragt sich unwillkürlich, ob Ihre Ansichten "der politischen Zielsetzung entsprechen, möglichst bald freie Wahlen im Irak abzuhalten, um eine legitimierte Regierung zu schaffen". Momentan tun Sie jedenfalls alles, um dieses Ziel zu unterlaufen. Denn um es zu erreichen, müßte man besagte Aufständische, deren eigenes Ziel ja gerade darin besteht, das Ihre mit allen Mitteln zu verhindern, eben erst mal bekämpfen.

Daß deutsche Füchse hierzu militärisch nicht notwendig sind, steht zugegeben auf einem anderen Blatt, aber hier ging es ja auch eher um eine politische Demutsgeste, mit der die Bundesregierung ihr klägliches Versagen bei der Schaffung eines demokratischen Irak kaschieren wollte, ohne angesichts ihrer Wahlversprechen (wie war das noch gleich in Goslar?) das Gesicht allzu offenkundig zu verlieren.

Die Tatsache allerdings, daß sie sich so sehr um das Wohlergehen der versprengten Reste eines untergegangenen faschistischen Regimes, deren neuer Freunde aus der islamistischen Terrorinternationale sowie der von den Nachbarstaaten zur Kriegführung gegen den Irak ins Land gesandten Söldnerkommandos sorgen (das kriminelle Pack, das die Geiseln beschafft und dann gegen Cash zum Köpfen an Ihre "Aufständischen" liefert, wollen wir hier mal außen vor lassen), gibt einem doch zu denken.

Zwar ist Ihre demonstrative Toleranz gegenüber allem und jedem angesichts der traditionellen Konfliktlösungsansätze Ihrer Partei keine wirkliche Überraschung, aber das Wissen, daß Sie bereits die Speerspitze grüner Sicherheitspolitik darstellen, macht einen Bürger der - ursprünglich ja von Ihrem rechtsradikalen ex-Parteifreund Mechtersheimer ausgerufenen - "Friedensmacht Deutschland" dann doch ein wenig frösteln.

+++ SPIEGEL-Watch +++ Hoffnungszeichen für französische Geiseln: Entführer loben Regierung in Paris

Arabische Beobachter gehen davon aus, dass sich die "positiven Schritte" auf die jüngsten Äußerungen des französischen Außenministers Michel Barnier beziehen. Dieser hatte gesagt, dass bei einer internationalen Irak-Konferenz auch Vertreter des bewaffneten Widerstands nicht fehlen dürften.

So ist's recht! Wenn jemand auf einer internationalen Konferenz, die über den Abzug der Alliierten aus dem Irak reden soll, Sitz und Stimme haben muß, dann ja wohl die netten Herren vom "bewaffneten Widerstand". Über die paar Köpfe, welche die "besten Verbündeten Frankreichs" (soll der französische Premier Raffarin tatsächlich kürzlich gegenüber dem Figaro-Boss so gesagt haben!) rollen lassen, kann ein echter Franzose, der sich auch nur ein bißchen Stolz auf die Guillotine-Revolution von 1789 bewahrt hat, ohnehin nur lachen. Nur zu schade, daß man auf so eine geniale Idee nicht schon früher gekommen ist.

Warum mußten diese unsensiblen Angelsachsen z.B. Deutschland 1945 gleich besetzen? Statt dieser primitiven Demonstration bloßer militärischer Stärke wäre eine internationale Konferenz unter Teilnahme aller Beteiligten doch wesentlich angemessener gewesen. Und da hätten selbstverständlich auch NSDAP, SA, SS und We(h)rwolf mit am Tisch sitzen müssen, um eine möglichst breite Basis für ein Abkommen zum Abzug der Amerikaner zu erhalten. Nur die Juden hätte man rauslassen können. Aber die waren zu diesem Zeitpunkt ja eh schon tot. Und über den Rest hätten sich die Vichy-erprobten Franzosen mit ihren ex-Kameraden von jenseits des Rheins dann schon irgendwie geeinigt.

Mittwoch, September 29, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ "New York Times"-Grafik: 30 Tage, 2368 Angriffe

Die Grafik, die auf den Daten einer in Las Vegas ansässigen privaten Sicherheitsfirma und Erkenntnissen des militärischen US-Geheimdienstes beruht, zeigt die ganze Dramatik: Es handelt sich keineswegs um isolierte Angriffe, wie Alawi und Bush zu vermitteln versuchen.

Laut dieser Analyse, schreiben die "NYT"-Reporter James Glanz und Thom Shanker, erreichten die Anschläge im April ihren Höhepunkt. Ursache waren die heftigen Kämpfe um die Widerstandshochburg Falludscha. Täglich wurden dort zu dieser Zeit 120 Anschläge verzeichnet.

Die Zahl der Angriffe allein reicht indes nicht zur Beschreibung der Lage. Beispiel Falludscha: Hier nahmen nach April die Attacken rapide ab. Allerdings ist die Stadt auch in den Händen der Aufständischen - und sowohl für amerikanische Militärs als auch für irakische Sicherheitskräfte unbetretbar. Ein Ort also, in dem Wahlen - ohne eine entscheidende politische oder militärische Wende - de facto nicht abgehalten werden können.


Sehr interessante Karte, SPIEGEL, gar nicht schlecht! Bezeichnend allerdings, daß Ihr Eure seit Urzeiten ersten halbwegs brauchbaren Nachrichten zum Irakkonflikt von der Konkurrenz abschreiben müßt. Und selbst diese eingekauften Informationen entwertet Ihr durch verfälschende Kommentare, die zudem den Eindruck erwecken, als ob man in der Redaktion selber gar keinen Blick auf die Karte geworfen hätte. Denn anhand der Statistik läßt sich z.B. nicht eindeutig ausschließen, daß hier manche Schießerei gleich 3-mal gezählt wurde. Eine kurze Nachfrage unter den Redakteurskollegen, die beim Bund waren, hätte auch ohne weitere Recherche nämlich ergeben, daß man Handfeuerwaffen, RPGs und Handgranaten auch ohne Verstoß gegen die Genfer Konvention durchaus zusammen einsetzen darf. Daher sollten Überschriften wie "2368 Angriffe" etwas vorsichtiger gewählt werden.

Ferner wäre dem geschulten Auge Eurer Militärspezialisten sicher nicht entgangen, daß nur in einem Drittel der Fälle die Terroristen es mal gewagt haben, den Alliierten Streitkräften tatsächlich mal ein Gefecht zu liefern. Das sind ca. 20-25 derartige Vorfälle pro Tag. Oder anders ausgedrückt: Selbst wenn man mal fälschlicherweise annimmt, das unsere heldenhaften Kopfabschneider nur militärische Ziele angreifen, wird im Schnitt jedes eingesetzte alliierte Bataillon vielleicht einmal pro Tag direkt beschossen, wenn überhaupt. Ohne die Zahlen jetzt genau zu kennen, wage ich mal die Behauptung, daß die Zahl der im selben Zeitraum von besagtem Bataillon eröffneten Schulen, wiederaufgebauten Brücken etc. um einiges höher liegen dürfte. Ein richtiger Krieg, so wie Ihr ihn Euch permanent herbeiphantasiert, sieht jedenfalls anders aus.

Im übrigen redet niemand davon, daß die Angriffe der Terroristen isoliert sind, sondern nur davon, daß diejenigen, die sie durchführen, es sind. Vielleicht nicht voneinander, offenkundig auch nicht von Euresgleichen, aber mit Sicherheit vom größten Teil der Bevölkerung. Oder glaubt außerhalb jener Linksrassisten, für die Araber nur demokratieunfähige Untermenschen sind, irgendjemand tatsächlich, die Irakis wünschen sich mehrheitlich auf die gewonnen Freiheiten wieder verzichten zu können? Saddam-TV in Endlosschleife statt Internetcafe? Gestapoterror statt offener Diskussion? Hunger statt Wiederaufbau? Die Dummheit solcher Annahmen aus deutschem Munde wird nur durch ihre dreiste - und angesichts der letzten Wahlergebnisse in Brandenburg und Sachsen völlig unangebrachte - Arroganz übertroffen.

Vollends den Vogel schießt allerdings die lächerliche Behauptung ab, daß eine Stadt wie Falludscha von den alliierten Truppen nicht mehr betreten werden kann. Die Frage ist höchstens, ob es derzeit opportun wäre, das bereits jetzt durchzusetzen. Aber in dem Moment, wenn die irakische Regierung wirklich beschließt, dem Spuk ein Ende zu machen, wie lange, lieber SPIEGEL, können sich Eure revolutionären Volkskrieger dann wohl halten? Und bevor Ihr die erstbeste Antwort heraustrompetet, erinnert Euch noch mal daran, wie weit ihr in Nadschaf danebengelegen habt, als al-Sadrs Kinderguerilla chancenlos zusammengeschossen wurde. Und wenn ihr Euch dann korrigiert habt, ratet mal, hinter wem sich die "Widerstandkämpfer" denn diesmal verkriechen können. In Falludscha gibt's nämlich keinen heiligen Schrein, auf den man Rücksicht nehmen müßte. Und? Gefällt Euch das Ergebnis? Nein? Na also, geht doch.


Sonntag, September 26, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ Irak: Schauspiel des Schreckens

Kurz vor dem Irak-Krieg, der Angriff der Amerikaner war nur noch eine Frage von Tagen, haderte Bagdads Vizepräsident Taha Jassin Ramadan mit den Zeitläuften und der politischen Weitsicht der westlichen Führungsmacht. "Warum bloß machen die Amerikaner das neben Syrien einzige laizistische Regime im Nahen Osten kaputt", zeterte der Stellvertreter des Gewaltherrschers vor europäischen Besuchern in seinem pompösen Ministerratsgebäude am Tigris, "wenn Saddam Hussein fällt, dann kommt es hier zum Chaos und am Ende zum Triumph dieser verrückten Islamisten und Terroristen."

Hm, vielleicht könnte das daran liegen, daß besagtes Regime ein faschistisches und deswegen laizistisches Regime war (haben Faschodiktaturen im allgemeinen so an sich, ein Blick in die Geschichtsbücher kann da sehr erhellend wirken)? Und das sollte dann doch eigentlich als Kriegsgrund ausreichen, oder etwa nicht? Umso mehr stellt sich die Frage, warum bloß macht der SPIEGEL den Aufbau der neben Israel ersten Demokratie im Nahen Osten schlecht, anstatt ihn zu unterstützen? Darauf gibt es drei mögliche Antworten, und keine davon vermag einen richtig zu beruhigen:

Theorie 1 - die materielle Erklärung: Da sich schlechte Nachrichten bekanntlich besser verkaufen als gute, wäre es für die Auflage tatsächlich vorteilhaft, wenn es im Irak "zum Chaos und am Ende zum Triumph dieser verrückten Islamisten und Terroristen kommt". Die Sorge um den Arbeitsplatz würde durchaus plausibel erklären, warum sich die Mitarbeiter des Hamburger Nachrichtenmagazins - wie an diesem Artikel wieder sehr gut zu sehen - die Nachrichten inzwischen regelrecht schlechtschreiben. Denn in den Zeiten von Hartz IV kann sich Otto Normalredakteur eine funktionierende arabische Demokratie schon rein finanziell gesehen schlicht und einfach nicht leisten. Also ist nur von Bombenanschlägen und toten GIs die Rede, nicht von neuen Schulen, steigendem Lebensstandard, Internetcafes und Wiederaufbau.

Theorie 2 - die ideologische Erklärung: Bei aller Ablehnung seiner oft etwas rustikalen Herrschaftsmethoden war Saddam Hussein doch trotz allem für viele immer auch ein Vorkämpfer des panarabischen Sozialismus und der nationalen Selbstbestimmung. Sein väterlicher Schnurrbart dürfte bei so manchem 68er wohlige Erinnerungen an vergangene heroischere Zeiten auslösen, und sei es nur als Beweis, daß ein Leben jenseits von kapitalistischer Ausbeutung möglich ist. Saddam's nationaler Sozialismus war immer auch Fleisch gewordener dritter Weg für die III. Welt. So konnten die weitverbreiteten antiamerikanischen Reflexe zusammen mit der Stilisierung des Ba'ath-Regimes zum letzten Hort des Widerstands gegen die Amerikanisierung der Welt jene kongeniale Verbindung eingehen, in der sich dann endlich pubertäre Gewaltphantasien offen mit abgeklärtem Alterspazifismus mischen durften.

Theorie 3 - die fachliche Erklärung: In Zeiten, wo schon die Programmierung eines Videorecorders intelligente Mitmenschen vor unlösbare Probleme stellt, kann man nicht von jedem Redaktionsneuling erwarten, komplexe Zusammenhänge verstehen, geschweige denn korrekt wiedergeben zu können. Auch die Teilnahme an einem Proseminar zum Thema Friedens- und Konfliktforschung während des Journalistikstudiums befähigt nicht zwingend zu einer intellektuell angemessenen Beschäftigung mit, sagen wir, der Strategie der US-Streitkräfte bei Operationen gegen die terroristische Infrastruktur in Falludscha. Und so erringen wie Tontauben abgeschossene Islamofaschisten Sieg auf Sieg, der Terror gegen die irakische Zivilbevölkerung wird zum Widerstand gegen die Besatzer, aus einem stadtbekannten Terroristentreff wird ein Wohngebiet und aus alliierter Rücksichtnahme auf Zivilisten eine militärische Niederlage. Na, dann siegt mal schön.

Samstag, September 25, 2004

WELCOME BACK, EUROPE: Reentering history's arena.

Und wo ich gerade dabei bin: Diesen so brillianten wie auch bewegenden Artikel zum Rückzug der amerikanischen Truppen aus Europa MUSS man einfach gelesen haben! Ist zwar schon ein paar Wochen her, aber immer noch brandaktuell. Schade, daß es diesen Text nicht auf deutsch gibt, weil gerade hierzulande sollte er Pflichtprogramm sein.

Another Triumph for the U.N.

Wo wir gerade bei den Vereinten Nationen sind - hier ist ein hervorragender Artikel aus der New York Times (!), der allen pazifistischen Gesinnungsethikern, weltfremden Kulturrelativisten und sonstigen UNO-Enthusiasten, also all den (un?)freiwilligen Steigbügelhaltern von Terror und Völkermord, die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte. Falls sie noch so etwas wie Schamgefühl besitzen.

Parallelogramm der Kräfte

Die Basis jeder Reform wäre es, wenn die UN insgesamt, als Weltorganisation, die für die Herrschaft des Rechts sorgen möchte, größere Anerkennung fände. Anerkennung zumal in Washington.

Wenn die UNO für die Herrschafts des Rechts sorgen möchte, dann muß sie nur die Statthalter der ganzen despotischen Terrorregime rausschmeißen und sich stattdessen für die Unterstützung der demokratischen Opposition in den betroffenen Ländern einsetzen. Sie muß sicherstellen, daß Gerechtigkeit und Moral Grundlage der Entscheidungen werden anstelle von Feigheit und Heuchelei. Fehlentscheidungen müssen - auch in der Vollversammlung - mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden können. Sie muß ferner sicherstellen, daß sie im Konflikt zwischen Demokratie und Diktatur immer auf seiten ersterer steht. Und ihre Beschlüsse muß sie dann auch gegen den Willen irgendwelcher Tyrannen durchsetzen können.

Also z.B. eine klare und eindeutige Parteinahme zugunsten Israels und Taiwans anstatt Beifall für jene Diktaturen, die ganz offen die Zerstörung dieser Länder betreiben. Oder auch die vorbehaltlose Unterstützung der USA bei der Demokratisierung des Nahen Ostens, inkl. des Einsatzes militärischer Mittel als letzte Option, falls die bisherigen Gewaltherrscher ihrer Entmachtung nicht zustimmen sollten. Und kein Zögern mehr bezüglich der Ruandas und Darfurs dieser Welt, sondern schnelle Hilfe für die Opfer, ohne erst die Täter um Erlaubnis zu fragen. Mit anderen Worten, die UNO muß nur all das über Bord werfen, an was sie all die Jahre geglaubt hat. Dann kommt die Anerkennung - auch die der USA - von ganz alleine.

Donnerstag, September 23, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ Bush-Messer: Kerry lahmt

Die Prognose? Oh, ja, sie schwankt, und der Bush-Messer schwankt mit ihr. Heute war Sonnenschein und da sah die Welt gut aus und da dachte der Bush-Messer, vielleicht schafft er es ja doch, der Kerry. Dann saß der Bush-Messer oben auf der Terrasse im "Hotel Washington" und ließ seinen Blick übers kleine, schöne Weiße Haus schweifen und plötzlich kam es ihm so vor, als sei Bush so mit seiner Residenz verwachsen, dass er sich nicht daraus entfernen lassen wird.

Peinlich, peinlich. Da hat der leitende Redakteur wohl gepennt. Sonst wäre sowas nicht in die neueste Ausgabe von SPIEGEL online gerutscht. Denn das ist nichts anderes als die "smoking gun", die beweist, daß man die journalistische Unabhängigkeit des SPIEGEL in der Pfeife rauchen kann. Jetzt ist es also offiziell: Der SPIEGEL unterstützt ganz offen Kerry. Wer die Aussagekraft der USA-Berichterstattung und hier speziell das Bush-Messer noch ernst genommen haben sollte, sollte spätestens jetzt wissen, wo der SPIEGEL seine Aktien hat.

Mittwoch, September 22, 2004

Weblog aus Ramallah

Vom 1. bis 30. September ist der Berliner Schriftsteller Norman Ohler Stadtschreiber von Ramallah. Im Rahmen des deutsch-arabischen Literaturforums MIDAD schreibt er aus der Stadt mit dem Regierungssitz der Palästinenser ein Online-Tagebuch und wird dabei versuchen, ein Bild vom "normalen palästinensischen Leben" zu vermitteln.

Wer wissen will, warum eigentlich der Nahe Osten nicht aus dem Schlamassel herauskommt, sollte mal einen Blick auf besagtes Weblog werfen. Hier interviewt ein unvoreingenommener und wohlmeinender junger deutscher Schriftsteller im Rahmen des interkulturellen Dialogs mal nicht die üblichen Verdächtigen, sondern ganz normale Bürger von Ramallah. Und gerade was hier so bieder und brav daherkommt, ist vielleicht erschreckender als all das martialische Gefasel, was man von palästinensischer Seite sonst so gewohnt ist.

Da ist nämlich nicht viel von Einsicht zu spüren, warum das palästinensische Projekt vor die Wand gefahren ist, wieso die arabische Welt immer weiter hinter den Westen zurückfällt oder wie man die eigene Kultur reformieren könnte. Nein, hier gibt es nur von Selbtmitleid triefende Schuldzuweisungen an "die anderen", seien es Bush, Sharon, die USA, die Zionisten oder die Juden insgesamt. Das schlimme ist, hier reden nicht paradiesgeile Bombenleger, durchgeknallte Scheichs oder altgediente Terroristenkader, sondern genau die einfachen Menschen, neben denen Israel am Ende in Frieden leben soll. Wenn das schon die "Guten" sind, dann gute Nacht.

+++ SPIEGEL-Watch +++ Sicherheitspolitik: EU warnt Iran vor Bau von Atomwaffen

Die Europäische Union hat Iran eindringlich vor dem Bau von Atomwaffen gewarnt. Dies werde die EU nicht tolerieren, sagte der Koordinator der EU-Außenpolitik, Javier Solana. Zuvor hatte Teheran nach eigenen Angaben Vorbereitungen für die Anreicherung von Uran begonnen, das für den Bau von Atomwaffen verwendet werden könnte.

Was heißt das, die EU wird das nicht tolerieren? Was will sie denn machen? Die Luft anhalten? Mit dem Fuß aufstampfen? In den Teppich beißen? Javier "Rambo" Solana macht sich mit solchen Bemerkungen höchstens lächerlich. Solange die EU nicht klar sagt, daß sie in so einem Fall den amerikanischen Wachhund von der Kette läßt und alles mitträgt, was diesem dann so einfällt, sollte sie lieber offen eingestehen, daß sie gegenüber den Politprofis skrupelloser Diktaturen völlig hilflos ist.

Aber wer weiß, vielleicht hat die EU ja Glück, und Teheran spielt nur die Pjönjang-Variante: Atomwaffen bauen und sich diese dann mit Wirtschaftshilfe und sonstiger Kooperation bei gleichzeitiger Duldung massiver Menschenrechtsverletzungen teuer abkaufen lassen. Das würde schließlich nur iranische Menschenleben kosten, die Europäer hingegen höchstens ein bißchen Geld. Daß dies allerdings bereits die bestmögliche Annahme ist, sollte Solana & Co. ein wenig zu denken geben.

Dienstag, September 21, 2004

Völkerrecht bricht Menschenrecht

Völkerrechtskonform ist, wenn Diktaturen verhindern, dass internationale Schritte zum Schutz einer notleidenden Bevölkerung unternommen werden können. Völkerrechtswidrig wäre es, wenn ein Ratsmitglied nun doch etwas tut, was der Rat nicht beschlossen hat. So wie 2003 die USA im Irak. Das war illegal, wie UN-Generalsekretär Kofi Annan gerade vor wenigen Tagen erneut betont hat. Zu Darfur fällt ihm dieses Wort nicht ein. Völkerrecht bricht Menschenrecht - das lernten wir erneut vom UN-Sicherheitsrat an diesem Wochenende.

Wer hätte das gedacht: Ein überaus vernünftiger Artikel zum Thema Sudan/Irak/USA/UNO/Völkerrecht in der - ja, wirklich, in der linksalternativen TAZ! Hut ab, da könnten sich einige der "Großen" in den Medien ein paar Scheiben Mut und Klarsicht von abschneiden. Und es zeigt mal wieder deutlich, daß es kein Zufall ist, daß der - auch moralisch begründete! - humanitäre Interventionismus amerikanischer NeoCons ursprünglich linke Wurzeln hatte, auch wenn das heute von den Kritikern der harten Linie gegenüber Diktaturen ganz gerne vergessen wird.

Montag, September 20, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ DVU: Fremdenfeindlich, Amerikafeindlich, Verfassungsfeindlich

Die Deutsche Volksunion (DVU) ist mit rund 11.500 Mitgliedern die größte rechtsextreme Partei in Deutschland. Laut Verfassungsschutz bilden Fremdenfeindlichkeit, Antiamerikanismus und Relativierung des Holocaust die Schwerpunkte ihrer verfassungsfeindlichen Bestrebungen.

Na, dann ist die seit Beginn des Irakkrieges durch fast alle Medien permanent und flächendeckend geführte antiamerikanische Kampagne in Ostdeutschland ja auf fruchtbaren Boden gefallen.

Sonntag, September 19, 2004

Diktaturen haben keine Rechte

Du sprichst ein großes Wort gelassen aus! Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und in Abwandlung eines alten Bonmots folgende Charta für den Umgang von Demokratien mit Diktaturen vorschlagen:

§1 Eine Demokratie hat in einem Konflikt mit einer Diktatur immer recht.
§2 Sollte dies wider Erwarten ausnahmsweise einmal nicht der Fall sein, tritt automatisch §1 in Kraft.

Falls jetzt jemand einwenden sollte, daß dies gegenüber Diktaturen unfair ist - stimmt. :-)

+++ SPIEGEL-Watch +++ Atomprogramm: Iran geht auf Konfrontationskurs

Der Iran hat die Forderungen der Atomenergiebehörde IAEA abgelehnt, sein Atomprogramm sofort einzustellen. Zugleich drohte Teheran damit, künftig keine Atom-Kontrolleure mehr ins Land zu lassen, falls es zu einer Anklage vor dem Weltsicherheitsrat kommen sollte. Die USA verdächtigen den Iran, Atomwaffen zu entwickeln.

Hach, ist das schön, wenn man sieht, wie dieser franko-germanische "Soft Power"-Quatsch immer öfter und immer offener am Nasenring vorgeführt wird. Fast könnte man kaum das Finale erwarten, wo Dr. Jacques Frankenstein und sein Gehilfe Igor Schröder zitternd in der Ecke stehen, während das von ihnen in ihrem anti-amerikanischen Größenwahn geschaffene eurabisch-euranische Monster ihr einstmals so stolzes und friedvolles Schloß vor ihren Augen in Schutt und Asche legt.

Leider ist die Sache viel zu ernst und spielt sich nicht auf der Leinwand der Filmfestspiele von Cannes ab, sondern zunehmend näher an meinem Wohnort. Bleibt also nur zu hoffen, daß George W. Earp sich rechtzeitig ein Herz faßt und aller verständlichen Verbitterung über "Old Europe" zum Trotz doch noch die Kavallerie schickt, um die Katastrophe rechtzeitig zu stoppen, die unsere beiden drittklassigen Staatsmanndarsteller mit ihrer zunehmend an Autismus grenzenden Ignoranz zusammenstümpern.

+++ SPIEGEL-Watch +++ Darfur-Krise: Sicherheitsrat droht Sudan mit Öl-Boykott

Der Uno-Sicherheitsrat hat die Regierung des Sudan aufgefordert, die Angriffe auf Zivilisten in der Region Darfur zu unterbinden. Sollte Karthum nicht stärker zur Beilegung des Konflikts beitragen als bisher, werde man Sanktionen gegen die für das Land lukrative Ölindustrie verhängen.

Öl-Boykott? Wow! Das wird den Völkermord in Darfur bestimmt binnen weniger Wochen beenden. Denn was hat der Sudan für eine Wahl als nachzugeben? Seine Insellage in der Südsee erlaubt eine einfache und leicht kontrollierbare Seeblockade. Die Kalaschnikows der Reitermilizen sind ohne den Nachschub an teuren HighTech-Ersatzteilen nur noch wenige Tage feuerbereit. Und die ideologische Isolation des Sudan als einzige islamisch-arabische Diktatur weltweit tut ein übriges, um jeglichen Ölschmuggel in befreundete Staaten zuverlässig ausschließen zu können.

Denn wenn schon ein Profi-Tyrann wie Saddam Hussein es während des UN-Sanktionsregimes nicht geschafft hat, auch nur einen einzigen Tanklastwagen ins Ausland zu schaffen, wie soll das dann diesen rückständigen Kameltreibern gelingen? Wie man im Falle des Irak gesehen hat, gelangen bei so einem Boykott ja auch keinerlei Luxusgüter wie Oberklasselimousinen, Swimmingpools und DVD-Player in die Hände der verantwortlichen Herrscher, während sie gleichzeitig gezwungen sind, die Versorgung der Kinder in den Krankenhäusern sicherzustellen.

Alles wird gut. Danke, UNO!

+++ SPIEGEL-Watch +++ Geheimes Regierungspapier: Straw sagte Blair Chaos im Irak voraus

Auch sollen Regierungsbeamten gewarnt haben, dass es möglicherweise nur eine Frage der Zeit wäre, bis im Irak ein neuer Diktator an die Macht käme: "Mit der Zeit könnte dieser dann Massenvernichtungswaffen erlangen." Der Krieg hätte dann genau das Gegenteil dessen erreicht, wozu er geführt worden wäre.

Sind schon Füchse, die alten Hasen im Foreign Office. Einen Diktator an der Macht lassen mit der Begründung, nach Schaffung einer Demokratie könnte ja ein neuer Diktator an die Macht kommen - das läßt einen erahnen, mit welch moralisch hervorragend geschultem Personal anno dazumal Kolonialreiche geführt wurden. Da kann man ja ausnahmsweise mal froh sein, daß Frankreich nicht zum britischen Empire gehört hat, sonst hätten die werten Herren 1944 vermutlich angesichts des zu erwartenden Chaos auch von der Invasion in der Normandie abgeraten.

Freitag, September 17, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ Antje Vollmer über Radioquote: "Das ist keine nationalistische Deutschtümelei"

Antje Vollmer, kulturpolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion, sprach mit SPIEGEL ONLINE über die Forderung nach einer Quote für deutsche Musik im Radio und erklärt, warum sie glaubt, dass nur mit solch drastischen Mitteln die Vielfalt der Musikszene in Deutschland zu retten ist.

Doch, das ist nationalistische Deutschtümelei. Und undemokratisch dazu. Ganz zu schweigen von der Menschenverachtung die dahinter steht. Denn auch wenn das meiste der Musik heutzutage zugegeben schlicht und einfach unerträglich ist, hat niemand das Recht den Leuten vorzuschreiben, was sie zu sehen oder zu hören haben. Wenn man erst mal anfängt, die Diktatur des Guten und Schönen einzuführen, landet man schneller als man denkt auf gefährlicheren Betätigungsfeldern als dem deutschen Liedgut.

Klar, meine Ohren wären auch glücklicher, wenn sie dieses lächerliche "Fuckyourmothakillyourbrotha"-Gestammel wollbemützter Goldkettchenträger nicht hören müßten, wenn ihnen die Vergewaltigung großartiger Songs durch unsägliche Coverversionen künstlerisch minderbemittelter Hupfdohlen erspart bliebe, und wenn ihnen die Heavy Rotation der Radiosender nicht immer aufs neue beweisen würde, daß früher tatsächlich einiges besser gewesen sein muß. Nur hat das nichts mit Amerika zu tun.

Denn warum sollte es uns mit der ganzen von unseren landeseigenen Musik-Frankensteins geschaffenen Casting-Scheiße, mit eben jenem von Ihnen herbeigesehnten Immigranten-Gewimmer, mit den ganzen Volksmutantenstadeln und dem nicht weit davon anzusiedelnden Billigschlagerrotz, oder mit alternden Krautrockern, die ihrer vergangenen Fast-Berühmtheit nachtrauern, eigentlich besser gehen? Wieso ist ein so furchtbar authentischer Liedermacher, dessen ganzes Repertoire an Arrangements aus immer denselben Griffen auf seiner alten Brokdorf-Klampfe besteht, eine erhaltenswerte Art?

Genauso könnte man verlangen, daß die oft brilliante Musik von den britischen Inseln 90% der Sendezeit bekommt (vielleicht aufgeteilt in je 30% für Irland, Schottland und den Rest), eine Sonderquote von 10% für Marillion inklusive. Nur, verehrte Frau Vollmer, diese Forderung ist zwar genauso berechtigt wie die ihre, aber eben auch genauso unberechtigt. Und zwar aus dem einfachen Grunde, weil es eben nicht um gute oder schlechte Musik geht, sondern nur um den persönlichen Geschmack. Und den würde ich anders als Sie oder besagte 500 - natürlich völlig uneigennützige! - Künstler niemandem aufzwingen.

Natürlich mag das Demokratieverständnis einer Grünen heuer ein anderes sein als das vor 20 Jahren und Sie ziehen inzwischen tatsächlich ein Zentralkomitee zur Bekämpfung undeutscher Umtriebe in der Musik der persönlichen basisdemokratischen Entscheidung der einzelnen Hörer vor. Aber solange niemand mit vorgehaltener Waffe gezwungen wird, sich von diesem Müll beschallen zu lassen, und solange an der Fernbedienung der Ausschaltknopf nicht bei Auswahl von MTV oder Viva automatisch deaktiviert wird, wäre angesichts der bereits vorhandenen Überreglementierung im kulturellen Bereich ein wenig Zurückhaltung angebracht.

+++ SPIEGEL-Watch +++ Irak: US-Geheimdienste rechnen mit Bürgerkrieg

Geheimdienstbeamte haben der Regierung den Informationen der Zeitung zufolge drei mögliche Szenarien aufgezeigt. Im schlimmsten Falle rutsche das Land in den Bürgerkrieg ab, im besten Falle bleibe die Sicherheit ein Problem und die Stabilität in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht prekär. Mit einer gänzlichen Befriedung des Landes, wie es das Ziel des US-Feldzugs war, wird gar nicht mehr gerechnet.

Also bitte! Wenn man schon die Texte anderer nicht versteht, so sollte man doch wenigstens in der Lage sein, die eigenen korrekt zu lesen. Die USA rechnen nicht wie in der Überschrift behauptet mit einem Bürgerkrieg, sondern halten diesen, wie in dem aufgeführten Absatz des Artikels dann auch korrekt beschrieben wird, für die schlechteste von drei möglichen Varianten.

Nehmen wir aber spaßeshalber mal an, es käme tatsächlich zum Bürgerkrieg, sprich ein Viertel der Bevölkerung kämpft mit Gewalt für das Ziel, die übrigen dreiviertel wieder unterdrücken zu dürfen, welche sich wiederum dagegen wehren. Auf welcher Seite steht dann der SPIEGEL?

Auf der einer stabilen faschistischen bzw. islamistischen Diktatur oder auf der der Bevölkerungsmehrheit? Wenn es tatsächlich nur diese Wahl gäbe, was würde der SPIEGEL vorziehen: Die ewige Friedhofsruhe oder ein Bürgerkrieg, in dem wenigstens eine Chance auf Freiheit besteht?

Entscheidet Euch. Man wird Euch an Eurer Antwort messen.

Donnerstag, September 16, 2004

Syrien testet chemische Waffen an Sudanern

Berlin - Syrische Sondereinheiten haben im Juni dieses Jahres chemische Waffen gegen die schwarzafrikanische Bevölkerung von Darfur eingesetzt. Die Aktion, bei der Dutzende von Menschen umkamen, erfolgte in Absprache mit der sudanesischen Regierung. Zu diesem Schluss kommen westliche Geheimdienste. Sie werden durch Berichte von Augenzeugen gestützt, die in verschiedenen arabischen Medien veröffentlicht wurden.

Aufschrei der öffentlichen Meinung? Sitzung des UNO-Sicherheitsrats? Fischer plötzlich doch "convinced"? Lichterketten vor der sudanesischen Botschaft? Kündigung sämtlicher Wirtschaftsabkommen mit Syrien? SPIEGEL-Titel und Topthema im nächsten Quartal mit wöchentlichen Updates? Fehlanzeige. Nur wegen der paar toten Neger darf doch der Dialog mit der grundsätzlich friedvollen arabisch-islamischen Kultur nicht gestört werden.

+++ SPIEGEL-Watch +++ Uno: Annan verurteilt Irak-Krieg als illegal

Uno-Generalsekretär Kofi Annan hat den US-geführten Einmarsch in den Irak als illegal bezeichnet. In einem Interview sagte er, der Irak-Krieg habe gegen die Uno-Charta verstoßen.

Saddam Hussein's Schreckensherrschaft - legal?
Die Befreiung von besagtem Terrorregime - illegal?
Die Vereinten Nationen und ihre Charta - scheißegal!

Mittwoch, September 15, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ Bushs Vergangenheit: 50.000 Dollar für einen guten Leumund

Die Demokraten im US-Wahlkampf haben sich einen Gag einfallen lassen, um mit der zweifelhaften Vergangenheit Präsident Bushs zu punkten. Die Gruppe "Texaner für die Wahrheit" hat demjenigen 50.000 Dollar versprochen, der nachweisen kann, dass Bush während seiner Zeit in der Nationalgarde seinen Pflichten voll und ganz nachkam.

Super Idee! Und da sich das wie bei jedem anderen Wehrpflichtigen auch nicht nachweisen läßt, kostet sie nicht mal was. Warum machen wir es eigentlich nicht immer so? Die deutschen Gerichte hätten sich kürzlich eine peinliche Pleite sparen können, wenn sie 50.000 Euro ausgesetzt hätten, falls jemand nachweist, daß die angeklagten Islamisten NICHT zu den Attentätern des 9/11 gehörten, anstatt selber mühselig nach Beweisen für das Gegenteil zu suchen. Und erst die Möglichkeiten die einem außerhalb der Justiz zur Verfügung stehen: Der Nachweis, daß beispielsweise der SPIEGEL keine anti-amerikanische Tendenz, eine kompetente Nahost-Berichterstattung und kaum Leser mit anti-semitischen Grundeinstellungen hat, wäre mir eigentlich auch 50 Euro wert. ;-)

Iran, Uran

Wie aber ließe sich Iran sonst von der Anreicherungstechnik abbringen? Nur durch Diplomatie. Erstens muss der Verzicht als »freiwillig«, als »vertrauensbildende Maßnahme« deklariert werden. Zweitens muss er Iran etwas einbringen: Wirtschaftsbeziehungen und ein Plus an Anerkennung, eine politische Aufwertung. Doch so einen Deal kann Europa nur mit Amerika zustande bringen. Am besten mit dem nach der Wahl. Also wird der Casus bis November vertagt: Dies ist der Kern des Entwurfs einer IAEA-Resolution, die gerade in Wien verhandelt wird.

Denn wenn sie dann doch Atomwaffen bauen sollten, dann hätten sie ja schließlich gelogen! Und dann könnte man ja, nun, man sollte - äh, vielleicht wäre...

Toller Plan! Und Gero nimmt ihnen dann die Bombe weg.

+++ SPIEGEL-Watch +++ Bush-Messer: "It's terrorism, stupid"

Wo so viel Pathos bemüht wird, kann jede Nachdenklichkeit schnell als sträfliche Unentschlossenheit abgetan werden. Etwa wenn John Kerry laut darüber nachdenkt, ob Bushs Weg der Terrorismusbekämpfung falsch und der Einmarsch im Irak das Problem nicht nur noch größer gemacht haben.

Mit anderen Worten: Wenn John Kerry 1940 Oppositionsführer in Großbritannien gewesen wäre, hätte er angesicht der von deutschen Bombern zerstörten englischen Städte wahrscheinlich laut darüber nachgedacht, ob Churchills Weg der Faschismusbekämpfung falsch war und die Kriegserklärung an das Deutsche Reich das Problem nicht nur noch größer gemacht hat. Das war es doch, was Du sagen wolltest, Georgiebaby, oder?

Dienstag, September 14, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ Streit über Irans Atomprogramm: "Die Uhr tickt"

Der Generaldirektor der IAEA, Mohamed al-Baradei, sagte, über ein Ultimatum müsse der Gouverneursrat der Uno-Behörde entscheiden. Er könne nicht garantieren, dass seine Ermittlungen zum iranischen Atomprogramm bis November abgeschlossen seien. Die bisherige Untersuchung habe noch nicht definitiv ergeben, ob Iran versuche, Atomwaffen zu produzieren, was die USA der Regierung in Teheran vorwerfen.

Sach ma, Ihr UNO-Kasper, wißt Ihr eigentlich worüber Ihr hier redet? Hier handelt es sich nicht um ein Videospiel, in dem nach "Game over" "Restart Level" kommt, sondern um Nuklearwaffen für gemeingefährliche Fanatiker, die einem Eurer Mitgliedsstaaten das Existenzrecht absprechen und den Wunsch, diesen atomar auszulöschen, nicht mal zum Schein zurückhalten!

Da geht es nicht darum, den Mullahs nachzuweisen, ob sie Atomwaffen produzieren, sondern darum, das die nachweisen müssen, das sie es nicht tun. Und damit da kein Mißverständnis aufkommt: Diejenigen, die unseren Teheraner Dr. Seltsams weniger als diesen Beweis abverlangen wollen, sind direkt mitschuldig an dem daraus zwingend resultierenden Nahost-Krieg.

Nur für den Fall, daß es am Ende mal wieder keiner gewollt hat.

Montag, September 13, 2004

Good news from Iraq

Wer genug hat von der lächerlichen "Die Niederlage der USA ist nur noch eine Frage der Zeit"-Propaganda und statt dessen gern mal wissen will, was im Irak jenseits kerniger Sensationsbilder noch so alles passiert, sollte unbedingt hier mal einen Blick drauf werfen! Wesentlich informativer und aussagekräftiger als die "Berichterstattung" in den Mainstream-Medien, wenn auch leider nicht auf deutsch (was angesichts der Meinung der Deutschen zum Irak-Krieg ja dringend nötig wäre). Absolut empfehlenswert!

+++ SPIEGEL-Watch +++ Irak: USA wollen alle Städte unter Kontrolle bringen

Die Situation im Irak verschlechtert sich für die USA fast täglich. Der Aufstand gegen sie wird immer stärker, die schweren Gefechte nehmen zu, es gibt immer mehr Tote. Dennoch zeigt sich Außenminister Powell zuversichtlich. Er rechnet mit einer Eindämmung des irakischen Aufstandes bis Januar.

Schon beeindruckend, wie der SPIEGEL sich immer aufs neue die Niederlage der US-Armee herbeiphantasiert. Da ist ganz offensichtlich der Wunsch der Vater des Gedankens. Wie sonst ist es zu erklären, daß die Terroristen überall da, wo sie sich zum Kampf stellen, sterben wie die Fliegen? Mag ja sein, daß diese Spinner tatsächlich den Tod lieben, aber das Erreichen dieses Ziels als Sieg zu verkaufen, ist schon ziemlich merkwürdig.

Das ganze kommt im übrigen auch erschreckend kritikfrei rüber. Daß Nachbarstaaten wie Syrien und der Iran da zündeln wird weder groß erwähnt noch angeprangert. Und Berichte darüber, was die Faschisten und Islamisten in den "befreiten" Städten an Verbrechen unter der Zivilbevölkerung anrichten (kleiner Tip für die Recherche: hier geht es nicht um Damenunterwäsche), schaffen es seltsamerweise nie auf die Titelseite des SPIEGEL.

Sonntag, September 12, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ Irak: Viele Tote nach Angriff eines US-Helikopters

Im Westen Bagdads explodierte Augenzeugen zufolge eine Autobombe. Dabei seien zwei irakische Polizisten und ein zwölfjähriger Junge ums Leben gekommen. Vor dem Gefängnis Abu Ghureib wollte ein Mann sein mit Sprengstoff beladenenes Auto durch die Absperrungen lenken. US-Soldaten erschossen den vermeintlichen Attentäter.

Aha. Jemand, der sein mit Sprengstoff beladenenes Auto durch Absperrungen lenkt, ist also kein Attentäter. Nicht mal ein mutmaßlicher. Sondern nur ein vermeintlicher. Die Yankees haben also mal wieder einen Unschuldigen auf dem Gewissen. Dann war das wohl der örtliche Pizzaservice, der nur eine Ladung Vulcanos extra scharf für das Gefängnispersonal geladen hatte. Mann, sind diese amerikanischen Dumpfbacken blöd: Erschießen sogar ihr eigenes Mittagessen.

Donnerstag, September 09, 2004

Russland wirft dem Westen Doppelmoral bei Terror-Bekämpfung vor

Lawrow wandte sich auch gegen Forderungen seines niederländischen Kollegen Bernard Bot, der von Russland eine Erklärung der Geschehnisse in Beslan gefordert hatte. "Ich habe noch nie von solchen Forderungen an ein anderes Land gehört, das Opfer des Terrors wurde", sagte Lawrow. "Aus irgendeinem Grund, gilt es als unmoralisch, den USA, Italien oder Frankreich solche Dinge zu sagen."

Hm, kann es vielleicht sein, daß das daran liegt, daß die genannten Staaten ihren Antiterrorkampf nicht auf so barbarische Weise führen wir Rußland? Die USA nicht, weil sie sowas gar nicht nötig haben, die Italiener nicht, weil sie zu sowas gar nicht in der Lage wären und die Franzosen, weil sie sich daran eh kaum beteiligen.

Oder hat jemand davon gehört, daß die Amerikaner Teile des Irak als 51. Staat den USA einverleiben wollen? Daß italienische Offiziere Irakerinnen herbeischaffen lassen, um sie zu vergewaltigen und anschließend zu erschießen? Daß britische Armeeangehörige die Söhne von Irakern entführen, um sie dann in Erdgruben verrecken lassen, falls ihre Familie kein Lösegeld zahlt? Daß die israelische Armee palästinensische Städte mit Artillerie in Schutt und Asche schießen läßt, um einen alten Mann im Rollstuhl zu erwischen? Na also!

Ich rede hier auch nicht von einzelnen durchgeknallten Sadisten oder etwas härteren Verhörmethoden, sondern von systematischer, flächendeckender Grausamkeit auch und gerade gegen Unschuldige, die anders als in westlichen Armeen nicht im Gerichtssaal endet sondern mit einem glitzernden Orden auf der Brust. Was soll man auch von einer Armee erwarten, wo neue Rekruten von den dienstälteren "Kameraden" erst mal vergewaltigt werden, damit sie wissen wo der Hammer hängt?

Und wer sind denn die "Schwarzen Witwen"? Sind Ihre Familienangehörigen im Kampf gefallen, starben sie als unvermeidliche "Kollateralschäden" (wobei man angesichts der filigranen Art russischer Kriegsführung diese kaum als unvermeidlich bezeichnen kann), oder waren nicht doch einige Opfer darunter, die z.B. als Geiseln ermordet wurden, oder die willkürlich von der Straße geholt wurden und dann verschwanden? Was glauben Sie, wie reagiert ein Mensch, von dessen Familie bereits 3 Dutzend Mitglieder ausgerottet wurden? Mit Dialogbereitschaft?

Verstehen Sie mich nicht falsch, Herr Außenminister: All das rechtfertigt nicht die Ermordung von Kindern. Terroristen sind Terroristen. Sie waren es auch schon vor Beslan. Sie waren es auch schon, bevor al-Qaida den tschtschenischen Befreiungskampf gekapert hat. Und sogar schon damals waren Sie berechtigt, sie zu jagen. Auch weltweit. Auch präventiv. Und auch sie zu töten. Und es ist auch klar, daß der Vielvölkerstaat Rußland bezüglich der tschetschenischen Unabhängigkeit nicht einfach nachgeben kann, weil das die Büchse der Pandora öffnen wurde.

Aber wenn Sie solche Forderungen wie die des niederländischen Außenministers in Zukunft vermeiden wollen, wenn Sie wirklich auf unserer Seite im Kampf gegen den Terror stehen wollen und nicht nur daneben, wenn Sie also wirklich zu uns, zum Westen gehören wollen, dann müssen Sie sich daran gewöhnen, auch mit den Standards unserer Zivilisation gemessen zu werden. Und das nicht nur im Frieden, sondern auch im Krieg. Es wird Zeit sich darauf vorzubereiten.

Eine Hinrichtung, die weniger grausam sein soll

München – Wegen „unkeuschen Verhaltens“ ist die 16-jährige Ateghe Radschabi am 15. August in der nordiranischen Provinzstadt Neka erhängt worden. [...] Das offizielle Heiratsalter ist erst vor kurzem, nach zähem Ringen zwischen Reformern und Konservativen, von neun auf zehn Jahre erhöht worden.

Unfaßbar! Ich könnte platzen vor Wut, mir fehlen die Worte... Zum Glück hat Marc Dutroux nichts von davon gehört, sonst wäre er unter Berufung auf Religionsfreiheit und kulturelle Selbstbestimmung noch frei gesprochen worden. Da werden Kinder ganz offziell ermordet und vergewaltigt, und Westeuropa redet von Zusammenarbeit, "kritischem Dialog" und ähnlichem Unsinn mehr. Was immer das für eine "Kultur" sein mag (und ich hoffe im Interesse des Islam, daß diese "Tradition" nichts mit ihm zu tun hat), aber sie hat keinerlei Existenzberechtigung. Ein Regime, das ganz offen so eine perverse Pädophilie propagiert und praktiziert, hat auf diesem Planeten nichts, aber auch gar nichts verloren. Das einzige, was in diesem Fall gegen den "Clash of Civilizations" spricht, ist daß wir es hier nicht mit einer wie auch immer gearteten Zivilisation zu tun haben, sondern nur mit einem mittelalterlichen Albtraum, der so schnell wie möglich beendet werden muß. Koexistenz in welcher Form auch immer ist überhaupt nicht wünschenswert. Wer hier weniger als "Regime Change" will, kann sich seine Krokodilstränen wegen der Opfer der Geiselnahme von Beslan oder seine heuchlerische Empörung über die belgische Justiz sonstwohin stecken.

Montag, September 06, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ Bush-Messer: Endspurt der Klischee-Maschinen

Allerdings ist dem Vietnam-Kneifer Bush, der nicht mal seine Dienstzeit in der "Champagner-Einheit" der US-Nationalgarde lückenlos nachweisen kann, in der Tat das Kunststück gelungen, sich als Action Hero zu etablieren. Und zwar dank kluger Choreografie, brillantem Timing, patriotischer Optik und der faktisch widerlegten Propaganda seiner Swift-Boat-Surrogaten, mit denen er "nicht das Geringste zu tun" haben will - außer natürlich einer gemeinsamen Anwaltskanzlei, gemeinsamen Finanziers und gemeinsamen Freundesbanden.

Der wahre Vietnam-Held Kerry dagegen, der seine Kameraden durchs Sperrfeuer der Vietcong heimführte, steht plötzlich als "Girlie-Man" da, ein Magnet für alle dämlichen Stereotypen, die seit jeher durch Amerikas mittleren Westen geistern: Männer spielen Football und trinken Bier, Frauen lesen Bücher und trinken Wein, blablabla. "Kastrations-Kriegsführung", nennt Kolumnist Frank Rich diese Taktik des Bush-Teams in der "New York Times". Image-Berater dürften sich dies in der Zukunft zum guten Beispiel nehmen - oder zur Warnung: Man nimmt nicht die Fotopresse zum normalerweise harmlosen Surfen mit, wenn man weiß, dass der Gegner vor nichts zurückschreckt. Prompt ließ Bush den Surfanzug Kerrys als "dumme, kleine Radlerhosen" verhöhnen.


Ja, da ist es ja wieder! Das Bush-Messer lebt! Marc Pitzke hat tatsächlich wohl einfach Zeit gebraucht, sich eine Erklärung für das Desaster zurechtzulegen. Zugegeben, so sonderlich plausibel ist sie dann doch nicht geworden, aber das was ihr an logischer Stringenz fehlt, macht er durch ein durchaus beeindruckendes Übermaß an Verbitterung locker wieder wett.

Denn genauso, wie das Bush-Messer früher den Fehler gemacht hat, jede regierungskritische Äußerung aus Amerika gleich als Vorzeichen des unvermeidlichen Untergangs der Republikaner zu deuten, verfällt der Autor diesmal in Weltuntergangsstimmung, bloß weil jetzt unvorteilhafte Bilder nicht mehr nur von Bush veröffentlicht werden sondern auch von Kerry. Merke: Pakete gibt man auf, nicht Wahlkämpfe! Im übrigen wird sich auch wenn's schiefgeht für Kerry schon noch ein Plätzchen finden lassen. Wie wär's z.B. mit dem Botschafterposten in Frankreich?

Passend ergänzt wird Pitzkes plötzlicher Defaitismus von einer peinlichen Publikumsbeschimpfung wie man sie lange nicht gehört hat. Weil diese dummen Amis geniale politische Strategien wie das Einstampfen der Demokratisierungsbemühungen für den Nahen Osten oder die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit Weltenlenkern a la Jacques Chirac nicht zu würdigen wissen, fordern sie es aber auch heraus, als White Trash beschimpft zu werden. Schön zu wissen, daß selbst beim SPIEGEL bereits Ausreden für die Niederlage gesucht werden.

Der unbestreitbare Supergag ist aber zweifellos der martialische Tonfall, der hier an den Tag gelegt wird. Vorwürfe wegen Wehrdienstverweigerung und Lob für Heldentum unter feindlichem Feuer sind Kategorien, die man bisher eigentlich zuletzt vor 20 Jahren von Mitgliedern der CDU-Stahlhelmfraktion gehört hat und die man seitdem ausgestorben glaubte. Die Stimmung beim SPIEGEL ist wohl nicht so gut momentan. Man beginnt sich unwillkürlich zu fragen, ob der Redaktionsteppich Bißspuren aufweist...


Sonntag, September 05, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ Bush-Messer verloren!

Nein, das war kein Fehler. Hinter dem Link verbirgt sich tatsächlich die SPIEGEL-Homepage und nicht besagtes Bush-Messer. Wo ist es nur hin? Sieht doch alles so gut aus - Kerry auf dem Vormarsch, Bush immer wieder aufs neue am Verlieren. Und plötzlich hat sich's ausgemessen. Seltsam...

Ach, was kommt denn da für eine Meldung über den Newsticker? Bush führt jetzt vor Kerry? Deutlich? Gar zweistellig? Der Glauben auf Kerry's Wahlsieg fällt in den Großstädten? Sollte das überraschende Verschwinden des Bush-Messers am Ende gar damit zusammenhängen? So ein Zufall aber auch!

Stellt sich nur die Frage, ob der SPIEGEL wie kürzlich das ZDF die unliebsamen Nachrichten einfach aus dem Programm nimmt, um die Leser zu schonen, oder ob einfach die Zeit noch nicht gereicht hat, so schnell eine halbwegs plausible Erklärung für das permanente Danebenliegen zu finden.

Wir warten einfach mal ab und genießen...

Freitag, September 03, 2004

Fischer: Assoziierungsabkommen mit Syrien "unterschriftsreif"

Damaskus - Das Assoziierungsabkommen zwischen Syrien und der Europäischen Union soll nach den Worten des deutschen Außenministers Joschka Fischer (Grüne) in Kürze unterzeichnet werden. Er habe der syrischen Regierung eine Erklärung übermittelt, nach der das Assoziierungsabkommen unterschriftsreif sei, sagte Fischer am Samstsag in Damaskus. Auch sei die Frage der Massenvernichtungswaffen geklärt. Im Gegenzug für eine Unterzeichnug des Assoziierungsabkommens hatten die 25 EU-Staaten im Mai verstärkte Anstrengungen von Syrien im Kampf gegen ABC-Waffen gefordert. Damaskus hatte seinerseits gefordert, dass der gesamte Nahe Osten frei von solchen Waffen sein müsse.

Fischer äußerte nach Gesprächen mit dem syrischen Staatschef Bashar Assad und Außenminister Faruk Sharaa die Hoffnung, dass Damaskus eine "konstruktive Rolle" bei den Bemühungen um Frieden im Nahost-Konflikt und dem geplanten israelischen Abzug aus dem Gazastreifen spielen werde.


Super, endlich ein Assoziierungsabkommen mit einem weiteren Diktator! Und dann auch noch genau der richtige: Massenvernichtungswaffen? Kein Problem, alles unter Ehrenmännern per Handschlag geklärt! Das gemeinsame WMD-Entwicklungsprogramm mit dem Irak und dessen mutmaßlich in Syrien vergrabenen Produkte? Alles nur Greuelpropaganda! Rückgabe der von Saddam geraubten Milliarden an den Irak? Die sollen nicht so kleinlich sein! Unterstützung von Terroranschlägen gegen die Alliierten im Irak? Strafe muß sein! Angriffe der Hisbollah als Druckmittel gegen Israel? Ist doch ein Fuchs, dieser Assad! Der Verbindungen des neuesten Anschlags in Be'er Sheva nach Damaskus? Alles nur Lügen, um den Widerstand der Palästinenser zu diskreditieren! Ein paar Alibiworte zu den Menschenrechten und herzlich willkommen!

Wenn man bisher die Existenz von Eurabia-Überlegungen für eine wilde Verschwörungstheorie gehalten hat - spätestens jetzt dürfte sich das erledigt haben. Aber was fast noch erschreckender ist als die anti-amerikanischen Phantasien größenwahnsinniger Präsidenten gewisser europäischer (Ver)Führungsmächte: Daß unser aller Lieblingsfischer da mitmacht. Denn man kann sich kaum vorstellen, daß er tatsächlich so naiv ist, und die Großmächtcheninteressen unserer Erbfeunde jenseits des Rheins bei der ganzen proarabischen Puderzuckerindenhinternblaserei nicht durchschaut. Durchschaut er sie allerdings doch, so beginnt man sich unweigerlich zu fragen, wieso er sich da zum Komplizen machen läßt. Obwohl - Fischer mit Pickelhaube auf der Jagd nach einem Platz in der gallischen Sonne, das hätte was...

Mittwoch, September 01, 2004

+++ SPIEGEL-Watch +++ Kehrtwende: Bush glaubt nun doch an Sieg im Kampf gegen Terror

Es hörte sich an wie eine Kapitulation: Der Krieg gegen den Terrorismus sei nicht zu gewinnen, sagte George W. Bush zum Auftakt des Republikaner-Parteitags. Überraschende Töne vom US-Präsidenten. Die Demokraten rieben sich die Hände, das Weiße Haus bemühte sich sofort um Schadensbegrenzung. Jetzt behauptet Bush das glatte Gegenteil.

Es ist schon beeindruckend, wie der SPIEGEL erst eine Binsenwahrheit bewußt falsch versteht, um sich anschließend an der Klarstellung für jenen etwas schlichter strukturierten Teil der Bevölkerung, der Binsenwahrheiten bewußt falsch versteht, aufzugeilen. Folgt man seiner "Argumentation", dann war der Kampf gegen den Faschismus 1939 schon deswegen von Anfang an aussichtslos, weil nicht hundertprozentig auszuschließen war, daß nicht doch 65 Jahre später irgendwo mal eine Attac-Fahne von einem springergestiefelten Glatzkopf getragen wird.

Denn man wird den Terrorismus als Einzelerscheinung tatsächlich nie vollständig besiegen können, weil sich jederzeit irgendwo schon noch ein Spinner finden wird, der sich aus welchen Gründen auch immer (beispielsweise daß ihm die SPIEGEL-Berichterstattung irdischen Ruhm als "Widerstandkämpfer" verspricht oder der nächstbeste "geistige Führer" 72 Jungfrauen im Paradies) in die Luft zu sprengen beliebt. Dies zu verhindern wäre selbst für den totalen Überwachungsstaat ein Ding der Unmöglichkeit.

Aber den Terrorismus als organisierte Kraft, die ganze Gesellschaften bedroht und zum politischen Machtfaktor wird, kann - und wird! - man besiegen, und zwar durch besagte Mischung aus politischem, wirtschaftlichen und militärischen Druck auf jene Regime, in deren Schatten er so prächtig gedeiht. Sozusagen als angenehmer "Nebeneffekt" entsteht damit gleichzeitig auch eine demokratische Perspektive für Völker, denen deutsche Schriftsteller und französische Staatsmänner eigentlich auf unabsehbare Zeit nur die Rolle der auf Buchmessen und internationalen Konferenzen publikumswirksam zu bedauernden Heloten zugedacht hatten.

Erstaunlich (obwohl - nein, eigentlich nicht wirklich) ist nur die beschämende Tatsache, daß wir diese globale demokratische Revolution leider nicht den brillianten Denkerstirnen angeblich um die Menschenrechte besorgter westeuropäischer Intellektueller verdanken, sondern den Thinktanks amerikanischer NeoCons. Inwieweit das ein Armutszeugnis für erstere oder Grund für den Friedensnobelpreis an letztere ist, lassen wir netterweise mal dahingestellt...