Mehr als hundert Kinder sind nach Informationen des Internationalen Roten Kreuzes in irakischen Gefängnissen inhaftiert, darunter auch in dem berüchtigten Gefängnis Abu Ghureib. Wie das TV-Magazin "Report" berichtet, soll es auch zu Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen durch Koalitionstruppen gekommen sein.
Was ist nur aus dem SPIEGEL geworden... Einst "Sturmgeschütz der Demokratie" und Flaggschiff des investigativen Journalismus in Deutschland, muß er heute schon Berichte des für seine "objektive" Berichterstattung einschlägig bekannten Fernsehmagazins "Report" zitieren, die bereits durch ihre Wortwahl klar erkennen lassen, daß die Entscheidung zwischen Nachricht und Kommentar eindeutig zugunsten letzterem gefallen ist. Anders läßt es sich beispielsweise nicht erklären, daß hier von "Kindern" in einem Alter die Rede ist, in dem sie in anderen Ländern bereits das allgemeine Wahlrecht bekommen. Auch erhöht die Verwendung von Floskeln a la "soll passiert sein" nicht gerade die Glaubwürdigkeit, vor allem dann nicht, wenn man weiß, auf welch fragwürdige Quellen sich ausländische Journalisten in der Irak-Berichterstattung gerne verlassen.
Aber alles nur auf den "Report" zu schieben wäre selbst diesem gegenüber nicht fair. Denn der SPIEGEL zitiert diesen Bericht nicht einfach, er krönt ihn mit einem Ausmaß an Demagogie, das sogar angesichts der an Tiefpunkten nicht gerade armen antiamerikanischen Medienkampagne der letzten Monate noch negativ zu überraschen vermag. Das Titelbild zu dem Artikel zeigt doch tatsächlich kleine Kinder im Vorschulalter, ganz so als ob die amerikanische Soldateska die Kinder geradewegs aus den Kindergärten holt, um sie in ihre Folterkeller zu verschleppen. Da fehlt eigentlich nur noch der beiläufige Hinweis, daß amerikanischer Ketchup aus dem Blut jener Christenkinder hergestellt wird, die bei der Herstellung jüdischer Matzen übriggeblieben sind.
Doch hier geht es weder um Kinderkram noch Dummejungenstreiche. Bei den Cowboy-und-Indianer-Spielen im Irak wird statt mit Pfeil und Bogen mit der Panzerfaust geschossen, und die getöteten Cowboys werden nicht hinterher von Mutti mit einem Schokoriegel getröstet. Was die aus diesen Angriffen resultierende Reaktion der US-Truppen betrifft, so wären den halbstarken Möchtegern-Revoluzzern ein paar hinter die Ohren, bevor sie zur Sozialtherapie ins Erziehungsheim kommen und die Eltern das Sorgerecht verlieren, zugegebenermaßen sicherlich angemessener gewesen, aber die grausamen Verhörregeln von Donald Rumsfeld lassen, wie der SPIEGEL letztens selbst versehentlich ausplauderte, Schläge nun einmal nicht zu.
Und so haben wir die merkwürdige Situation, daß im Irak Minderjährige, die mit der Kalaschnikow herumgeballert haben und daraufhin mit Schlamm beschmiert wurden, Hauptdarsteller in einem deutschen Agitprop-Streifen zur besten Sendezeit werden können, während ihre Altersgenossen auf deutschen Schulhöfen, die den Alpharüden der herrschenden Straßengang direkt angeschaut, zu lange Haare für das ästhetische Empfinden des Fascho-Ortsgruppenleiters getragen oder auch einfach nur die falschen Turnschuhe angezogen haben und dafür in die Bordsteinkante beißen durften, es nur zu drei Zeilen unter der Rubrik "Verschiedenes" in der zuständigen Lokalpresse bringen. Wenn überhaupt.
Trotzdem ist Kritik am Verhalten der amerikanischen Soldaten, vor allem wenn es sich um vorschriftswidrige Exzesse handelt, natürlich gerechtfertigt, und sie ist auch notwendig. Ein Kinderschänder bleibt ein Kinderschänder, egal ob er nun Belgier oder Amerikaner ist. Wenn dies einem Beschuldigten nachgewiesen werden kann (also "hat getan", nicht "soll getan haben"), muß er weggesperrt werden, und zwar auf Dauer. Die Strafe kann in so einem Fall kaum hoch genug sein. Allerdings ist diese Kritik nur von jenen Leuten ernstzunehmen, die genügend Glaubwürdigkeit besitzen, daß es ihnen bei solchen Verbrechen wirklich auch um die Opfer geht und nicht nur um die Täter. Und damit scheiden gleich eine ganze Reihe von Gruppen als Kritiker aus.
1. Die Deutschen: Man braucht gar nicht mal von der glorreichen 1000-jährigen Vergangenheit anzufangen. Einer Nation, deren Justiz heutzutage jede noch so grausame Folter bis hin zur abschließenden qualvollen Tötung als "Körperverletzung mit Todesfolge" verharmlost, also in etwa so wie bei einem unglücklich verlaufenen Verkehrsunfall, und in deren Gefängnissen Automatenknacker und Taschendiebe sitzen, während mehrfach wegen besagter "Körperverletzung" bestrafte Täter draußen frei rumlaufen und verdiente KZ-Mörder aus falsch verstandener Rücksichtnahmeauf ihr Alter für verhandlungsunfähig erklärt werden, steht es gewiß nicht an, hier vom "moral high ground" aus zu argumentieren.
2. Die Europäer: Zum Thema Kinderschänder in Europa muß man nun wirklich nicht mehr viele Worte verlieren. Ein Blick in die aktuellen Nachrichten sagt eigentlich alles. Da in diesen Breiten das archaische alttestamentarische Law-and-Order-Denken a la Bush einer der Hauptgründe für die Ablehnung, ja, inzwischen sollte man eher sagen, den Haß gegenüber den USA ist, lassen wir die Täter aus christlicher Barmherzigkeit lieber früher wieder raus als später. Sie könnten sich ja gebessert haben, und diese Chance darf man ihnen nicht nehmen. Egal wer dafür mit dem Leben zahlt. Das ist pseudomoralische Scheinüberlegenheit auf Kosten Dritter, mehr nicht.
3. Die Kriegsgegner: Wer die Berichte gelesen hat, in denen Saddam's Schergen Kinder bis hinunter zum Säuglingsalter gequält haben, um die Eltern zu zwingen sich gegenseitig ihren Mördern ausliefern; wer sich erinnert, wie irakische Kinder während des Embargos elend krepiert sind, aber nicht wegen des bösen Uncle Sam, sondern weil Saddam sich zusammen mit seinen - auch heute noch in Amt und Unwürden befindlichen! - Spezln in der UN und dem europäischen Establishment die für diese gedachten Hilfsgelder in die eigenen Taschen gestopft hat, und wer dann trotz all dieses Terrors gegen das eigene Volk den schnellstmöglichen (und damit leider zwangsläufig militärischen) Sturz des Ba'ath-Regimes abgelehnt hat, sollte mit der Verwendung von Wörtern wie Moral lieber ein wenig vorsichtig sein.
4. UNICEF, IKRK, AI & Co.: Organisationen, die sich immer erst zu Wort melden, wenn sie irgendwo einen Amerikaner und/oder Juden aufgetrieben haben, der als Schurke taugt, sollten schon mal ganz ruhig sein. Wer 16-jährige Terroristen als harmlose "Kinder" bezeichnet, aber gegenüber den Schreibtischtätern nicht mal vorsichtige Kritik äußert, wenn aufgehetzte 10-jährige als Sprengstoffkuriere eingesetzt, ahnungslose 12-jährige als lebende Zeitbomben verwendet, geistig Behinderte als Selbstmordattentäter losgeschickt und 2-jährige Kleinkinder zusammen mit ihren Geschwistern aus kürzester Distanz zwischen die Augen geschossen werden, der hat jegliches Mitspracherecht in moralischen Fragen verloren. So jemand sollte aus Scham ob des eigenen Versagens einfach nur mal den Mund halten, ok?
5. Last but not least die Medien: Sie bringen jede Vorverurteilung, wie abwegig sie auch sein mag, und unabhängig davon wie fragwürdig die Quelle ist, als Tatsache in Umlauf, solange sie nur ins eigene Weltbild paßt, im Wissen, daß wenn die Lüge platzt, es niemanden mehr interessiert. Jeder erinnert sich, daß es in Jenin ein Massaker gab. Kein Journalist mußte den Hut nehmen, als rauskam, daß dem eben nicht so war. Al-Dschasira wird als professioneller Nachrichtensender respektiert, Michael Moore als "Dokumentarfilmer" in Cannes gefeiert, die ausschließlich von palästinensischen Kameraleuten gemachten Bilder des Nahostkonflikts werden zur Wirklichkeit erklärt, Drohungen gegen die freie Presse mit peinlich unterwürfigen Ergebenheitserklärungen an Arafat's Mörderbande beantwortet. Moral? Fehlanzeige! Da bleibt nur noch Verachtung übrig.
Aber für alle, die es immer noch nicht begriffen haben, hier ein kleiner Nachtrag: Kurz nach dem Einmarsch kam ein 12-jähriges Kind zu einem Besatzungssoldaten und fragte ihn nach ein paar Bonbons. Als dieser in seinen Taschen herumkramte, zog der Junge eine Pistole und schoß den Soldaten in den Kopf. Daraufhin erschossen seine Kameraden den Jungen, und zwar ohne ihn vorher noch groß zu mißhandeln, zu verhören, ihm seine Rechte vorzulesen oder seine schwere Kindheit zu berücksichtigen.
Aber ganz ruhig, liebe SPIEGELreportUNICEFamnestyIKRKler, bevor Ihr jetzt einen Herzanfall kriegt - schön den Ball flach halten! Euch gab's damals noch gar nicht (höchstens Eure Väter bzw. Großväter, aber wir wollen jetzt mal netterweise nicht genau wissen, was die damals so gemacht haben). Das ganze spielt nämlich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Soldat war Kanadier, und der Junge ein unschuldiges Kind, das dummerweise die schaurigen Märchen vom bevorstehenden We(h)rwolf etwas zu wörtlich genommen hat. Wahrscheinlich hieß er Heinz. Das würde immerhin erklären, woher der Ketchup seinen Namen hat.